10 Feb. A Day with David Bowie – fotografiert von Christine de Grancy
A day with David Bowie
Ausstellung im Pineapple Park München
Zehn Jahre ist es nunmehr her da David Bowie verstorben ist. Seine Songs haben bislang überlebt, und ich sehe auch keine Anzeichen dafür, dass sich das ändern wird.
Ein Tag mit David Bowie, aber …
… nein, hier finden wir keine Aufnahmen von irgendeinem Auftritt oder einem seiner vielen Shootings, auch nicht im Tonstudio oder bei einem Fernsehinterview. Hier geht es um einen besonderen Tag in Bowies Leben ganz abseits der Showbühne. Auf Einladung des bekannten österreichischen Multikünstlers André Heller besuchte er zusammen mit seinem Künstlerkollegen Brian Eno für einen Tag die Künstlerstätte der Nervenheilanstalt Gugging (was zwischenzeitlich keine solche mehr ist). Begleitet wurden die drei Besucher von der mit Heller befreundeten Fotografin Christine de Grancy.
Auf den in schwarzweiß gehaltenen Fotoaufnahmen begegnen wir einem David Bowie fernab des Showbusiness und Glamours. Keine Spielchen mit Geschlechterrollen, eher einen Bowie der ein gutes Stück weit seine Maske abwirft. Keine wilde Party, sondern eine sehr persönlich motivierte Auseinandersetzung mit einer Welt, die wir in unserem Alltag auch heute noch gerne etwas ins Abseits schieben. Psychiatrie und ihre Gesichter – hier allerdings von einer eher positiven Seite.
Art Brut oder Outsider Art
Der in besagter Anstalt tätige Chefarzt Leo Navratil hatte sich bereits seit den 1950ern die sog. Art Brut (Kunst von psychisch Kranken) auf die Fahne geschrieben, worauf zahlreiche zwischenzeitlich durchaus bekannte Künstler hervorgingen. Als da wären zum Beispiel August Walla, Johann Hauser oder auch Oswald Tschirtner. Und noch einige mehr. Das Projekt Gugging hatte in der Wiener Künstlerszene bereits ein gutes Stück Anerkennung gefunden, und mit dem Besuch der beiden weltbekannten Musiker wollte man noch eins draufsetzen.
Aber da war noch eine andere Sache …
… Bowie meets Art Brut …
… sprich Außenseiterkunst, oder eben wie gesagt Kunst von Psychiatriepatienten. Christine de Garncy (die mit Gugging bereits anderweitig vertraut war) begleitete den Besuch der Stars zusammen mit André Heller mit der Fotokamera – die Bilder landeten zunächst unveröffentlicht im Archiv. Erst 2017 wurde sie in einer Wiener Galerie erstmals öffentlich gezeigt
Vergangenes Jahr gingen sie in der jetzigen Ausstellungsform, d.h. Fotos und einige Kunstwerke der Gugginger Künstler zunächst ins Modern Art Museum von Santa Monica in L.A. wo die Schau gleich dreimal verlängert wurde. Im Anschluss ging es in die bayerische Landeshauptstadt wo sie derzeit in der Kulturstätte Pineapple Park zu sehen sind!
Kann Kunst heilen?
Dieser Frage ging David Bowie in der Ausstellung offenbar nach. Und dafür hatte er recht persönliche Gründe Mehrere Leute in seiner Familie waren schwer psychisch krank, er selbst hatte ja zumindest auch mitunter heftige Drogenexzesse erlebt. Auf den großformatigen Fotoaufnahmen begegnen wir einem sehr nachdenklichen und nach innen gekehrten David Bowie. Mit ernster Miene, wie wir ihn sonst eigentlich gar nicht kennen. Die Sache ging ihm unter die Haut, ich finde das sieht man auf den Fotos an seinem Gesichtsausdruck. Dieser 8.September 1994 prägte auch seine weitere Arbeit nachhaltig
Wie wir auch in der Ausstellung erfahren, wäre sein Album 1.Outside ohne eben diesen jenen Tag nicht denkbar gewesen. Auch wenn es nun nicht direkt auf die Künstlergruppe anspielt. Nur beiläufig: Auch sein Begleiter Brian Eno war an dem Album beteiligt!
Bis 11.April 2026 …
… wurde die Ausstellung nun auch in München jetzt der erste Mal verlängert. Der Ticketpreis ist mit 16 EURO nicht gerade billig! Lohnt sich aber!
Für Bowie Fans?
Wer erwartet, dass hier die üblichen Starsouvenirs von David Bowie zu sehen sind, der wird hier enttäuscht sein. Wir finden da lediglich die Cover einiger seiner Alben. Wer allerdings mal den Star von einer anderen Seite kennen lernen möchte, dem möchte ich die Ausstellung ans Herz legen. Oder auch jenen die Bowie aus der Nähe kannten und kennen. Ebenso allen Interessierten an der Art Brut.
Statement
Ob Kunst hier wirklich heilen kann, darüber erlaube ich mir kein Urteil. Von einem allerdings bin ich überzeugt: sie kann die Betroffenen sehr wohl unterstützen und um einiges weiterbringen!
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Geri ist leidenschaftlicher Fotograf mit einem intensiven Blick für verborgene Details. Er arbeitet ausschließlich digital und zeigt seine Arbeiten u.a. auch bei 24notes.





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