18 Dez. Zwischen Welten – von Juli Zeh und Simon Urban
erschienen im Luchterhand Verlagshaus München, 2023
Ja, hier haben wir einen Roman, bei dem zwei Autoren de facto miteinander geschrieben haben, wenngleich sie sich gegenseitig aus grundverschiedenen Positionen austauschen. Da ist zum einen Theresa, die in der brandenburgischen Provinz den (aus einer LPG hervorgegangenen) Landwirtschaftsbetrieb ihres Vaters übernommen hat. Das Gegenstück dazu ist Stefan, der in Hamburg als Journalist einer renommierten Zeitschrift arbeitet. Ehemals lebte man in einer Studenten WG zusammen, nach dem der Kontakt viele Jahre abgebrochen war begegnete man sich wieder durch Zufall. Darauf folgte ein reger gedanklicher Austausch … jetzt liegen Welten zwischen ihnen … aber man hält Kontakt…
… per E-Mail und WhatsApp …
… Briefromane sind ja nichts neues, der Werther war ja schon vor über zweihundert Jahren auf dem Mist Goethes gewachsen. Googelt man den Begriff „Briefroman“, dann landet man auf zahlreichen Treffern. Ich selbst habe bereits einen solchen E-Mail-Roman hier auf 24notes besprochen. „Zwischen Welten“ geht noch etwas weiter und ist ein Mix aus E-Mails und WhatsApp, am Ende kommen noch Telegram Nachrichten dazu.
Klima, Gendern, Ukraine …
… und noch ein Hauch postpandemischer Atmosphäre … jedenfalls haben beide Protagonisten mit ihren ganz spezifischen Problemen in Beruf und Alltag zu kämpfen.
Stefan ist Idealist und hat sich für eine Laufbahn in der Presse entschieden. Dabei meint er mit zeitgeistigen Themen für eine bessere Welt kämpfen zu müssen … als erfolgreicher Journalist glaubt er dies auch zu können … was aber, gelinde gesagt, alles andere als reibungslos geht. Nach einer kurzen Beziehung ist er Single geblieben. Doch sein Idealismus setzt eine Maschinerie in Gang … nicht zu seinem Vorteil. Andere Aktivisten machen ihm dann in Folge das Leben, gelinde gesagt, nicht gerade leicht!
Theresa, seine einstige WG Mitbewohnerin hat da mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Sie hatte sich entschieden, das geisteswissenschaftliche Studium abzubrechen und als Landwirtin in der brandenburgischen Provinz zu arbeiten. Eine Knochenarbeit, hart erworbenes Brot. Sie hat einen Mann kennengelernt und mit ihm zusammen zwei Kinder. Trotzdem hat sie es nicht leicht. Schwierige Rahmenbedingungen plus jede Menge Gängelei von Seiten der staatlichen Behörden machen ihr und ihren Kollegen das Leben quasi zur Hölle. Sie sieht sich gezwungen zu handeln – zusammen mit radikalen Aktivisten.
… der digitale Austausch
… mit digitalen Nachrichten und mitunter recht langen E-Mails gibt dem Leser einen vertieften Einblick in das Leben der Protagonisten. Während Stefan sich voller Elan in zeitgeistige Themen stürzt, wie etwa dem Gendern, dem Kampf gegen den Rassismus, dem Krieg in der Ukraine etc., bleibt Theresa gar keine Luft, sich mit solchen Themen auseinander zu setzen. Da sich die Lage für die Landwirte in ihrem Umfeld immer weiter zuspitzt und verschlechtert engagiert sie sich aber in Gruppierungen die sich für ihre Berufsgenoss*innen einsetzen …und gerät dabei in zwielichtige Gesellschaft!
Die Einzelheiten möchte ich hier an dieser Stelle nicht vorwegnehmen … was in diesem Rahmen auch gar nicht möglich wäre.
Zwei Welten
… den Buchtitel darf man wörtlich nehmen. Und wenn diese beiden Welten aufeinanderstoßen dann kommt es immer wieder zu derben Kollisionen. Die neue Diskussionskultur – bei der beide Seiten mit harten Bandagen auffahren.

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Geri ist leidenschaftlicher Fotograf mit einem intensiven Blick für verborgene Details. Er arbeitet ausschließlich digital und zeigt seine Arbeiten u.a. auch bei 24notes.
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