Der Ikarus vom Lautertal - 24notes
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Kulturtipp

Der Ikarus vom Lautertal

eine Ausstellung in der Villa Stuck München...über einen genialen Außenseiter

Der Ikarus vom Lautertal

Der Traum vom Fliegen – so alt wie die Menschheit…und auch in der jüngeren Geschichte leben viele noch den Traum vom Fliegen…aus guten Gründen. Ein Beispiel war Gustav Mesmer – genannt der Ikarus vom Lautertal…

Außenseiterkunst, Art Brut

Die Kunst der sog. Außenseiter, oftmals Künstlern in psychiatrischen Einrichtungen hat zwischenzeitlich einen festen Platz im öffentlichen Kunstleben eingenommen. Es gibt immer wieder Ausstellungen in den großen Museen, die sich mit dem Werk dieser Künstler befassen…auch die Villa Stuck, wo jetzt eben diese Ausstellung über Gustav Mesmer stattfindet, hatte erst letztes Jahr eine Retrospektive über Adolf Wölfli, einem Schweizer Künstler, der lange Jahre in einer psychiatrischen Anstalt verbracht hatte gezeigt…

…eine Geschichte aus Oberschwaben

Eine Geschichte aus meiner alten Heimat in Oberschwaben. Der zwischenzeitlich legendäre Gustav Mesmer, genannt auch der Ikarus vom Lautertal. Doch sein Weg zum legendären Ruhm war eine überaus traurige und bedrückende Sache. Über 35 Jahre lang war dieser Mann in der Psychiatrie eingesperrt – infolge eines Zwischenfalls, bei dem er während eines Gottesdiensts auf die Kanzel gestiegen und seinen (durchaus nachvollziehbaren) Frust von der Seele zu predigen versuchte.

Während seiner Zeit in den psychiatrischen Anstalten in Bad Schussenried und in der Weissenau (bei Ravensburg) entwickelte er seine leicht versponnenen, aber irgendwo auch genialen Ideen – geleitet vom Traum vom Fliegen. Er fertigte Skizzen von allerlei Flugmaschinen und träumte davon, mit seinen Flugfahrrädern und ähnlichen Konstrukten von Dorf zu Dorf fliegen zu können.

…der Traum wird Wirklichkeit – wenn auch nur teilweise

Diesem „Traum vom Fliegen“ kam er allerdings erst näher, als er im Jahr 1964 in ein Altersheim im schwäbischen Buttenhausen (bei Münsingen) verlegt wurde. Dort bekam er Werkzeug und Material…und baute die eine oder andere Flugmaschine, wo er dann mitunter tatsächlich auch immer wieder mal einen Flugversuch unternahm…mit sehr bescheidenem Erfolg…Kurz vor seinem Tod war eine seiner Flugmaschinen im deutschen Pavillon der EXPO 1992 in Sevilla zu bestaunen.

Wer sich näher für die Biographie Gustav Mesmers interessiert, dem möchte ich die Internetseite der Stiftung ans Herz legen

Die Ausstellung

Nach dem Tod Mesmers 1994 richtete man zwei Jahre später eine Stiftung ein, um das Werk des „Ikarus vom Lautertal“, wie er von der Bevölkerung halb liebevoll und halb spöttisch genannt wurde, der Nachwelt zu erhalten. Diese hatte in der Tat Interesse daran. Der Name des „Flugpioniers“, der vermutlich nie nennenswert vom Boden abgehoben war, ging um die Welt.

Zurzeit ist eine Ausstellung über ihn in der Villa Stuck in München zu sehen. Der Besucher kann dort sowohl einige der Flugmaschinen des „Ikarus vom Lautertal“ bewundern, einen Blick auf seine zahlreichen Zeichnungen und Skizzen werfen und auch Filmsequenzen ansehen auf denen die Flugversuche Gustav Mesmers festgehalten sind.

Man bekommt so eine Vorstellung davon, wie jener Ikarus vom Lautertal seine Flugfahrräder und ähnlichen Konstrukte zusammengebaut hat. Auch wenn diese Maschinen nie geflogen sind wirken sie nichtsdestotrotz irgendwie faszienierend. Daneben gibt die Ausstellung auch Einblick in eine weitere Disziplin, der sich Gustav Mesmer gewidmet hat: den Bau von Musikinstrumenten aus Schrottmaterialien…

Begleitend zur Ausstellung gibt es ein Veranstaltungsprogramm. Dabei werden dem Werk Gustav Mesmers andere Künstler gegenübergestellt, die mit allerlei kinetischen Konstrukten und Musikmaschinen Soundexperimente unternehmen…und dadurch wirklich auch Musik schaffen.

Geniale Kunst…wobei man nicht vergessen sollte, dass diese hier das Resultat von erheblichen Verletzungen der Menschenrechte ist. Das sollte man beim Betrachten solcher Kunstwerke immer im Gedächtnis behalten…dies wird auch in der Ausstellung nicht totgeschwiegen…insbesondere der in der ersten Etage gezeigte Film weist deutlich darauf hin!

Begleitend zur Ausstellung gibt es ein Veranstaltungsprogramm. Näheres dazu findet man hier. 

Die Ausstellung dauert noch bis zum 10.Juli 2022, für einen Besuch plane man mindestens eineinhalb Stunden ein…nicht zuletzt wegen der Filme und Lichtbilder, die gerade in dieser Ausstellung ein ganz wesentlicher festerb Bestandteil sind, nicht wie oftmals bei Ausstellungen begleitendes Beiwerk!

Weiter gibt es momentan in der Villa Stuck eine zweite Ausstellung von Misha Kahn…auch sie lohnt einen Besuch.

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