16 Apr. Lisette Model
Lisette Model – Ausstellung im Kunstfoyer, München
Im Kunstfoyer München gibt es derzeit eine Ausstellung über die Fotografin Lisette Model. Ursprünglich aus einer jüdischen Familie aus Wien stammend, absolvierte sie zunächst eine musikalische Ausbildung bei der sie auch Kontakt zum berühmten Komponisten Arnold Schönberg hatte. Der Kontakt zu ihm blieb auch nach dem Abbruch
… dann kam die Fotografie
…nachdem sie mit Mutter und Schwester ins südfranzösische Nizza gezogen war. Sozialkritische Fotoaufnahmen waren ein Markenzeichen von ihr. Zwei Gegensätze hatte sich die Fotografin auf die Fahne geschrieben: das himmelschreiende Elend der Armen und das süße Nichtstun der Reichen. Die Bilder wirken durchaus empathisch, mit einer ordentlichen Portion Ironie, ein Stück weit karikativ. In Paris nahm sie Unterricht bei der berühmten surrealistischen Fotografin Florence Henri. Dort lernte sie auch ihren Mann, den Maler Evsa Model kennen.
… ab nach New York
1938 siedelte das Paar nach New York über. Lisette setzte ihre Karriere als Fotografin fort und konnte sich dort auch einen Namen machen. Die frühen Aufnahmen dieser Zeit zeigen gewisse Parallelen zu den europäischen Surrealisten (auch wenn die Fotografin stets behauptete, dass Sie sich bei ihrer Arbeit von niemandem beeinflussen ließe. Wir sehen dort filigrane Spiegelungen in Schaufenstern samt der Hektik der Konsumgesellschaft.
… Jazz
Aufnahmen von Jazzclubs und -festivals sowie Jazzgrößen aus der großen Zeit des Jazz, das ist ein weiteres Highlight der Ausstellung im Kunstfoyer. Als da dabei wären Dizzy Gilespie, Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, der Pianist Glenn Gould (der sich gleichfalls als herausragender Klassikinterpret hervortat ), und last but not least Billie Holiday. Wie man aus den Texten in der Ausstellung erfährt hatte Lisette Model keine andere Jazz Interpretin derart oft fotografiert wie diese berühmte Jazzsängerin. Hier im Kunstfoyer sehen wir allerdings nur eine Aufnahme, die zugleich die letzte Aufnahme der Sängerin ist: aufgebahrt nach ihrem Tod! Das Bild wurde zu einer Fotoikone!
Was macht die Aufnahmen der Jazzmusiker so besonders? Ganz einfach: keine gestellten Fotos! Sondern live bei Auftritten und Konzerten! Mit voller Emotion im Groove der Musik! Die Fotografin blieb auch in ihren späteren Jahren musikaffin!
… amerikanischer Ungeist
… so nenne ich hier die McCarthy Ära in den USA. Auch wenn ich selbst sicher kein Kommunist bin: hier haben wir ein Beispiel dafür welche Blüten der amerikanische Antikommunismus so trieb. Lisette Model hatte in ihren frühen Jahren in Frankreich tatsächlich ein Bild in einer kommunistischen Zeitung veröffentlicht. Klar zeigt sie ihre sozialkritische Haltung tatsächlich in sehr vielen ihrer Bilder, aber Kommunistin in Form einer Bedrohung für das amerikanische System? Da lagen doch Welten dazwischen. Trotzdem trug sie von dieser Sache Nachteile davon … manche wollten danach tatsächlich nichts mehr zu tun haben, weshalb sie einen zusätzlichen Brotberuf in Gestalt einer Lehrtätigkeit aufnehmen musste.
Lisette Model starb 1983 in New York.
… last but not least
In der Ausstellung ist auch ein Film über die Künstlerin zu sehen, auch gibt es Führungen durch die Ausstellung. Näheres dazu hier
Zeit für einen Ausstellungsbesuch ist bis 5.7.2026. Für alle nicht Ortskundigen: die Lokalität befindet sich am Thierschplatz direkt neben den U – Bahn Station Lehel. In der Nachbarschaft gibt es zahlreiche Restaurants und Cafés, die einen Besuch lohnen!
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Geri ist leidenschaftlicher Fotograf mit einem intensiven Blick für verborgene Details. Er arbeitet ausschließlich digital und zeigt seine Arbeiten u.a. auch bei 24notes.





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