5 gute Gründe die documenta d14 zu besuchen - 24notes
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5 gute Gründe die documenta d14 zu besuchen

5 gute Gründe die documenta d14 zu besuchen

Die documenta d14 – Prolog

Vor etwa 30 Jahren – damals war ich Student in Göttingen – kam ich zum ersten Mal in Kontakt mit zeitgenössischer Kunst. Viele meiner Studienkollegen sind 1987 auf die d8 nach Kassel gefahren. Ich wollte mit zeitgenössischer Kunst auf Tuchfühlung gehen und ging mit – nicht mit allem, was ich sah, konnte ich etwas anfangen. Aber viele der Exponate haben mich wirklich angesprochen. Dieser Besuch der documenta hat mein Interesse an der Materie geweckt – was sich bis heute nicht geändert hat.

5 gute Gründe die documenta d14 zu besuchen

Übrigens: neben Kassel gab es bis Mitte Juli auch einen zweiten Standort für die d14 – die griechische Hauptstadt Athen. Dahin habe ich es nicht geschafft, habe aber überwiegend Positives davon gehört.

1. Kunst mit wichtigen Botschaften

Unübersehbar – die documenta findet nicht nur in den Ausstellungsräumen statt, sondern in der ganzen Stadt. Einige Exponate stehen frei zugänglich im öffentlichen Raum, und man hat Zutritt ohne Ticket. Gleich auf dem Friedrichsplatz ist der Parthenon aus verbotenen Büchern von der argentinischen Künstlerin Marta Minujín. Eine Nachbildung des Parthenon in Athen, gleich groß wie das Original, bestehend aus einem mit durchsichtiger Folie umhüllten Gerüst. In die Folie gehüllt befinden sich gespendete Bücher, die irgendwann einmal irgendwo verboten waren. Interessant: Da ging es bei weitem nicht nur um explizit politische Bücher (z.B. Orwell 1984). Hinter der Folie musste ich auch die Märchen der Brüder Grimm entdecken, Bücher von Mark Twain oder sogar „Harry Potter.“ Kurz: Angesprochen wird hier das Recht der freien Meinungsäußerung. Ein Grundrecht und eine der wichtigsten Säulen der Demokratie. Es kann nicht oft genug in Erinnerung zurückgerufen werden – ohne dieses elementare Grundrecht gäbe es keine Demokratie, geschweige denn Kunstfreiheit.

Ein weiteres frei zugängliches Werk befindet sich in der Mitte des Königsplatzes: ein Obelisk mit einem Bibelzitat in mehreren Sprachen. Auch dies beinhaltet eine wichtige Botschaft. Schon seit biblischen Zeiten mussten Menschen unterschiedlicher ethnischer Abstammung in Frieden miteinander leben können.

Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe frei zugänglicher Werke. Sie sind alle in einen Lageplan verzeichnet, welcher an einem der zahlreichen Informationsstände erhältlich ist. Sehr viele dieser Exponate wollen wichtige Botschaften unters Volk bringen. Daher finde ich es wichtig, dass man ihnen Beachtung schenkt.

2. Spurensuche macht Spaß

Jetzt haben wir die vierzehnte documenta in Kassel seit 1955. Eine Reihe von Kunstwerken, die seither aufgestellt wurden, ist der Stadt Kassel auf Dauer erhalten geblieben. Unter anderem die „Spitzhacke“ von Claes Oldenburg in der Karlsaue am Ufer der Fulda, oder der „Himmelsstürmer“ von Jonathan Borofsky am Hauptbahnhof. Andere Werke, wie der Dinosaurier vor dem Ottoneum oder das berühmte Vordach am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe haben allerdings nichts mit der documenta zu tun. Was ich noch gerne erwähnen möchte: es gibt auch ein »Naturwerk«, welches den Kasslern einmal anlässlich der documenta „geschenkt“ wurde: Es sind dies die Bäume, die dank der Aktion von Joseph Beuys gepflanzt wurden. Jene Bäume mit dem Stein daneben gehören bis heute zum Kassler Stadtbild.

3. Ermäßigter Eintritt ab 17 Uhr

Wer als Einsteiger mit der documenta auf Tuchfühlung gehen möchte, der kann sich ein Feierabendticket für zehn Euro kaufen. Drei Stunden bleiben Zeit, bis zur Schließung um 20 Uhr. Das reicht für einen ausgiebigen Blick ins Museum Fridericianum plus einen Rundgang durch die documenta-Halle. Damit hat man zwar nur einen Bruchteil der Schau gesehen, kann sich aber einen guten ersten Eindruck verschaffen. Und dabei vielleicht entdecken, dass hinter zeitgenössischer Kunst vielmehr steckt als landläufig angenommen.

Insidern und Kunstfreaks würde ich allerdings wärmstens empfehlen, zumindest einen vollen Tag, besser ein ganzes Wochenende für die Sache einzuplanen. Ich selbst bin zwei Tage dagewesen. Ich habe mir nur einige Werke näher angeschaut, vieles andere nur oberflächlich, und habe trotzdem längst nicht alles gesehen! Also ganz ehrlich, einen vollen Tag wenigstens, sonst ärgert man sich danach. Ganz durch die Ausstellung durchkommen, das braucht allerdings sehr viel Zeit!

4. Ganz Kassel macht mit

Irgendwie steht mit der documenta ganz Kassel Kopf. Man sieht es an den zahlreichen Schaufenstern, die anlässlich der documenta besonders dekoriert wurden. Neben der Ausstellung selbst gibt es zahlreiche Sonderveranstaltungen. Auch von einer Reihe von Kirchengemeinden. Hier kann ich leider nicht alles aufzählen. Entweder Tourist Information oder Google, oder ganz einfach losgehen. Wer die Augen offen hat, entdeckt sehr viel davon.

5. Kassel abseits der Touristenpfade

Zum Schluss möchte ich einen etwas spezielleren Tipp einbringen. Wie in jeder Stadt gibt es auch in Kassel Stadtviertel, wo es die Besucher weniger hinzieht. Außer vielleicht solche wie ich, die gerne Motive suchen, die man auf Postkarten so überhaupt nicht findet. Aber nicht nur ich, sondern auch die Veranstalter der documenta fanden dorthin. Allem voran lohnt die alte Hauptpost einen Besuch. Ich möchte beinahe sagen, nicht weniger als die ganzen Ausstellungsorte in der Innenstadt.

Auch diesmal habe ich in diesen Vierteln eine Reihe von Fotos gemacht. Der schäbige Schein der in die Jahre gekommenen Häuser, verschmierte und zerfallende Mauern und Fassaden. Die Poesie des Zerfalls und des Neuanfangs – hier finden sich einige in der documenta angesprochene Themen ganz real. Viele, die im Laufe der letzten Jahre durch Migration in Deutschland angekommen sind, haben genau in solchen Vierteln ein neues Leben angefangen. Zum Teil diese dem Charme des Verfalls weiter überlassen und zum anderen Teil ein Stück weit mit gestaltet. Das Ergebnis, welches dabei herausgekommen ist, das möchte ich festhalten. Wie ein kleines Stück Kunst, das in wenigen Jahren wieder anders aussieht oder gar nicht mehr existiert.

 

Wer wie ich gerne diese Art von Fotos mag, der findet hier lohnende Motive. Auch auf dem Weg vom bzw. ins Stadtzentrum.

Nähere Informationen: www.documenta14.de

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Geri ist leidenschaftlicher Fotograf mit einem intensiven Blick für verborgene Details. Er arbeitet ausschließlich digital und zeigt seine Arbeiten u.a. auch bei 24notes.
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