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Urlaub zurückgezogen und minimalistisch

auf der Alp Schneit im Berner Oberland

Urlaub zurückgezogen und minimalistisch

Urlaub einmal anders

Urlaub mit einer 5-köpfigen Familie ist immer etwas besonders. Doch dieses Jahr hatten wir für unsere Familie etwas ganz Ursprüngliches ausgesucht. Es war dies der Rückzug auf eine abgelegene Berghütte in der Schweiz. Kein Strom, kein warmes Wasser, kein WLAN. Dafür aber ein traumhaftes Bergpanorama und Ruhe. So konnten wir dort sein, wo sich manch Wanderer hinträumt und dabei nicht die Abgeschiedenheit finden kann, die er suchte.

Die Alp Schneit

Fast 20 Minuten dauert die Auffahrt zur Alp Schneit im Berner Oberland. Sie liegt auf etwa 1100 m Höhe, nur ein schmaler Schotterweg führt hinauf. Kein anderer Tourist verirrt sich sonst hierher. Dennoch ist die Alp voller Leben: Acht trächtige Kühe und vier Kälber weiden dort fröhlich mit der Schelle klingelnd die frischen Bergwiesen ab.

Das reine Dasein

Das Leben auf der Hütte beschränkt sich auf das Notwendigste. Morgens wird eingeheizt, Frühstück bereitet, Kaffee und Tee gekocht. Anstelle des Toasters nutzen wir die Pfanne auf dem Holzofen. Wir rösten das Brot mit geklärter Butter – traumhaft lecker. Dazu frisch gebratene Spiegeleier und Zeit – Zeit beieinanderzusitzen und dabei lachen, reden und scherzen. Das reine Dasein ist, was zählt.

Warmes Wasser kommt aus dem Wasserschiff des Holzherdes. Damit wird Geschirr gespült, Haare gewaschen und Zähne geputzt. Fürs Duschen heizen wir den Wasserofen am Badebottich ein. Duschen in der freien Natur. Keiner da, der stören könnte.

Dann packen wir die Bücher aus, setzen uns in die Sonne und träumen, lesen, denken. Zwischendurch spielen wir Karten. Bis der Hunger kommt und nach einer Brotzeit verlangt. Bergkäse, Tomaten, Gurken, Bauernbrot mit frischer Butter. Oder vielleicht einen selbst gebackenen Hefezopf mit Kaffee? Warum nicht, man hat ja Zeit. Das Handy? Vermisst keiner.

Abends, wenn die Sonne sich hinter den zauberhaften Gebirgskämmen zu verstecken beginnt, geht es zum Kochen hinein in die Hütte. Wir kochen einfach, aber lecker. Eintöpfe mit Paprika, Bohnen und Tomaten. Bratkartoffeln mit Spiegelei und Salat. Gemeinsam kochen – gemeinsam essen. Irgendwie geht auf der Hütte alles nur gemeinsam.

Wenn es dunkelt, zünden wir die Kerzen und Petrollampen an. Es wird nicht wirklich hell, aber das Licht reicht für einen gemeinsamen Spieleabend am Tisch. Die Hütte ist von der Abwärme des Holzherdes kuschlig warm, wenn wir später im Dunkeln die Bettdecken über die Nase ziehen.

Nichts sonst tun

So verbringen wir die Tage, ganz im Fokus des Nichtstuns – das »Nichts sonst tun«, außer das ursprüngliche Sein selbst zu genießen. Es gab nur kleine Unterbrechungen, wenn wir einen Ausflug oder Einkauf planten. Aber das war selten. Nur drei Mal in 14 Tagen haben wir die Alp verlassen.

Den Menschen begegnen

Auf der Suche nach einer Bäckerei trafen wir auf Roger, ein Auswanderer aus Deutschland, der in Wilderswil eine Backstube eröffnet hat. Nach alter Tradition bäckt er Genussbrote aus rein regionalen Zutaten.Gutes Brot braucht Zeit, sagt er. Mit Liebe von Meisterhand gemacht. Man schmeckt es wirklich.

Zur halben Zeit besuchte uns der Hüttenbesitzer Beat »Yeti« Hutmacher mit seinem Hund Pepito auf der Alp. Er setzte sich zu uns an den Tisch und erzählte. Zeit haben und miteinander ins Gespräch kommen. Das ist doch, was zählt.

Kaum Streit

Es gab erstaunlich wenig Streit unter den Kindern. Mit Interesse und Freude begnügten auch sie sich mit dem Wenigen, was da war. Die natürliche Umgebung mit ihren Wiesen, Wäldern und Kühen war plötzlich spannend wie ein Krimi. Das Feuern der Öfen und das Zurichten des Holzes ebenfalls.

Die Langsamkeit des Seins

Als der Tag der Heimreise kam und wir von der Alp Schneit ins Tal fuhren, wurde uns schon auf der Autobahn bewusst, wie zurückgezogen und ruhig wir uns die letzten zwei Wochen gestimmt hatten. Keiner wollte so viel Geschwindigkeit. Die ganze ameisenhafte Geschäftigkeit war uns abhandengekommen.

Das einfache Leben macht genügsam und lässt wenig vermissen, was zu Hause wie selbstverständlich da ist und notwendig erscheint: elektrisches Licht, warmes Wasser aus dem Hahn, Föhn, Fernseher, Handy, Computer und, und, und. Es ist eine heilsame Erfahrung, dass es auch ohne geht.

Was wir sonst noch mit nach Hause nahmen

Der Mittlere liebt jetzt Kühe, ist gegen Enthornung und Massentierhaltung, isst kein Fleisch mehr und trinkt nur noch Heumilch von Demeter.

Die Große und die Kleine tankten viel Ruhe und freuen sich nun auf das Wiedersehen mit ihren Freundinnen.

Wir Erwachsenen nahmen neben viel Gelassenheit auch noch Brote von Roger mit.

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Autor, Fotograf, Blogger und Initiator von 24notes, dem Magazin für Literatur, Fotografie und der Kunst, das Leben zu verstehen.
2 Comments
  • Tabea
    Posted at 17:45h, 22 September Antworten

    Also ich weiß gerade nicht, ob ich neidisch auf diesen Urlaub bin oder nicht.

    Irgendwie klingt es echt idyllisch… Und Kühe liebe ich sowieso, aber ich hasse es, wenn ich eine Weile kein Internet hatte und mich dann tausend Mails und Blogposts erschlagen, sobald ich zurück bin.

    Aber das mit dem echten Brot und dem einfachen Leben… Ein Traum!

    Waren deine Kinder vor dem Urlaub skeptisch?

    Liebe Grüße

    • Dieter Brehm
      Posted at 08:17h, 25 September Antworten

      Servus Tabea,
      das Leben ohne Internet war für uns alle kein Problem. Auch Kind 1-3 haben nichts vermisst. Die Kinder waren sehr, sehr neugierig auf das Hüttenabenteuer. Allein in ihren Fähigkeiten, sich selbst zu versorgen haben sie sich ein wenig verschätzt. Schon nach einem Tag standen sie bei uns Eltern wieder in Vollversorgung.
      LG, Dieter

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