01 Juni Ferdinand von Schirach „Alexander“
erschienen bei PENGUIN JUNIOR, 2026
Mal wieder ein kleiner Buchtipp. Diesmal ja, habe ich mir ein Kinderbuch vorgenommen. Aber nicht in erster Linie darum. Der Autor bemüht sich hier Kindern auf unterhaltsame Weise das Wesen einer Demokratie vorzustellen. Das Thema wird ja derzeit sehr viel diskutiert. Viele wissen gar nicht, was es mit einer Demokratie auf sich hat.
… der Autor und seine Familiengeschichte
Darüber will ich mich kurz fassen, denn die allermeisten kennen den Autor bereits durch seine Bücher über spannende Strafrechtsfälle, aber auch zum Beispiel durch das Theaterstück „Terror“, welches zu einem der erfolgreichsten Stücke auf deutschsprachigen Bühnen geworden ist. Auch jetzt noch wird es regelmäßig aufgeführt.
Manchen kommt auch beim Familienname „von Schirach“ der Aha Effekt. Ja, der Großvater des Autors gehörte als Leiter der Hitlerjugend zu den führenden Nazigrößen. Wie auch einige andere Nachkommen der damaligen Führungsriege ist auch Ferdinand von Schirach darum bemüht diese Tatsache aufzuarbeiten. Aus diesem Grund glaube ich dass er fest hinter der Demokratie steht … und darum habe ich mir dieses Buch durchgelesen, auch wenn ich selbst keine Kinder habe und auch meine Neffen und Nichten längst erwachsen sind.
Das Buch
Es geht hier nicht um trockene Theorie, sondern wir stehen vor der Geschichte des Alexander, der im Krieg seinen Vater verloren hatte. Wir tauchen ein in eine fiktive Welt, die aber doch sehr an das antike Griechenland erinnert, und das nicht ohne Grund. Schließlich lag in Athen die Wiege der Demokratie. Daneben gab es aber in der griechischen Antike auch Stadtstaaten, die ziemlich genau das Gegenteil davon verkörperten … etwa das antike Sparta, das für mein Dafürhalten doch mitunter Gedanken aufweist, die sich auch im modernen Faschismus wieder finden. Aber das nur nebenbei

Die Geschichte
Eine Geschichte, bei der Alexander auf eine ganz besondere Reise geht … auf der Suche nach gerechten Gesetzen. Dabei trifft er so illustre Gestalten wie einen Winzer, einen Modeschöpfer, einen Philosophen, auch die Hüterin eines Orakels und noch einige andere. Auf jeder Station erfährt der junge Reisende Interessantes über die Grundelemente einer gerechten Welt. Auch auf diesen Stationen begegnen wir Figuren und Geschichtsfragmenten aus der griechischen Antike. Und vor allem über deren Hintergründe. Wer den Autor wie ich kennt, für denjenigen ist es unübbersehbar, dass dieser hier einige ganz zentralen Punkte anspricht, die in seinen übrigen Werken eine wichtige Rolle spielen. Etwa das Prinzip der Freiheit, die Menschenwürde und allem voran … seine Haltung gegen kriegerische Gewalt!
… die Illustrationen
Der Autor hat das Buch bunt illustriert. Passend zu den einzelnen Themen, und … im Stil von Karikaturen. Was ich persönlich sehr passend finde.
Statement
Ich habe mir einige Buchrezensionen zu „Alexander“ durchgelesen und mir dazu meine Gedanken gemacht. Zu allererst das Lesealter, das mit ab 10 Jahren angegeben wird. Dazu meine ich: vielleicht im Einzelfall ja, aber die meisten Zehnjährigen dürften noch kein Vorverständnis für das Wesen einer Demokratie auf der einen, und einer Dikatatur (Tyrannenstaat) andererseits mitbringen. Ich weiß nicht so richtig, ob Zehnjährige überfordert werden und das Buch aus Frust weglegen. Für gegenteilige Argumente bin ich dennoch offen.
Hervorragend vorstellen kann ich mir allerdings, dass Schüler begleitend zum ersten Jahr Geschichtsunterricht in der Schule das Buch zur Hand nehmen könnten. Vor allem begleitend zum Unterricht über die griechische Antike, evtl. auch noch die Römerzeit. Keinesfalls trockenes Pauken, sondern unterhaltsame Geschichten, die vielen jungen Geschichtsverdrossenen das Interesse an dieser Materie wecken könnte. Dass der ein oder andere Deutsch- und Geschichtslehrer Gefallen an dem Buch findet würde mich keinesfalls überraschen.
In den Presseartikeln wird das Buch vielfach verglichen mit anderen Kinderbüchern zu politischen Themen. Ganz oft erwähnt wird dabei „Die Konferenz der Tiere“ von Erich Kästner. Ich persönlich finde, es gibt keinen Grund, warum man Kinder nicht zum Lesen beider Bücher anregen sollte.
Für ältere Kinder, so ab 13 gibt es noch andere interessante Bücher die sich speziell mit dem Wesen einer Dikatur beschäftigen , etwa „Die Welle“ von Morton Rhue oder auch der ganz große Klassiker „Das Tagebuch der Anne Frank“.
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Geri ist leidenschaftlicher Fotograf mit einem intensiven Blick für verborgene Details. Er arbeitet ausschließlich digital und zeigt seine Arbeiten u.a. auch bei 24notes.
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