Ausgestorben um zu leben - 24notes Kultur
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Buchtipp

Ausgestorben um zu leben

Ausgestorben um zu leben

„Ausgestorben um zu leben“ Von Bernhard Kegel

Erschienen 2018 im DuMont Buchverlag, Köln

Aufgefallen ist mir dieses Buch im Museumshop bei einem Besuch im Frankfurter Senckenberg Naturmuseum. Die Beschreibung auf dem Buchrücken hat mich angesprochen…endlich einmal ein Sachbuch über Dinosaurier für Erwachsene. Ohne Sensationshascherei und den üblichen Kitsch, den man sonst in Büchern zu diesem Thema findet. Dafür war es, so finde ich, höchste Zeit. Seriöse Literatur zu diesem Thema habe ich bislang kaum gesehen, abgesehen von einigen Artikeln in Zeitschriften wie „GEO“ oder „National Geographic“.

Mythos Dinosaurier

Dinosaurier faszinieren uns seit wir wissen, dass es sie irgendwann einmal tatsächlich gegeben hat. Allem voran interessieren sich Kinder für sie. Sie sind Kultobjekte, und seit dem Film „Jurassic Park“ sogar regelrechte Popstars. Ich muss doch zugeben, an Beständigkeit als Modeobjekt suchen wir wohl vergeblich ihresgleichen.

Kinderbücher über Dinos gibt und gab es seit anno dazumal zahllose. Meistens aber waren und sind es eher populärwissenschaftliche Werke mit reißerischer Aufmachung. Sprich besonders attraktiv sind jene Bücher, die über die (vermeintlich) neusten Dinosaurierfunde und die größten, blutrünstigsten und gruseligsten Monster berichten. Ergänzt mit kurzen, oftmals spekulativen Informationen über Größe und Gewicht, einige ihrer Lebensgewohnheiten und eventuell noch über den Fundort ihrer Skelette. Plus am Ende noch Erklärungsversuche über das große Dinosauriersterben von 65 Millionen Jahren.

Dinosaurier für Erwachsene

In Bernhard Kegels Buch liegt der Schwerpunkt an anderer Stelle. Keine reißerischen, aber extrem spannende Informationen rund um die Dinosaurier. Da geht es einmal um die Geschichte der Dinosaurierforschung, um die Arbeitsweise der frühen Paläontologen,  den Wissenschaftlern auf diesem Gebiet. Da man lange Zeit nur einzelne Knochen bzw. Skelettfragmente fand, rief dies auch Künstler auf den Plan. Die Leute wollte Bilder von diesen prähistorischen Tieren sehen, und somit entstanden die ersten Riesenkrokodile, Kängurudrachen und ähnliche Wesen, bei denen neben wissenschaftlichen Fakten auch sehr viel Fantasie dahinterstand. Drachen hatten ja als Wesen der Mythologie schon lange zuvor existiert.

Was ist denn nun eigentlich ein Dinosaurier? Wie lebten diese Tiere?

Übersetzt bedeutet der Name „Dinosaurier“ in etwa „schreckliche Echse“. Genau an dies denken wir auch heute noch hauptsächlich, wenn wir den Begriff hören. Stimmt aber nur teilweise. Der Autor belehrt uns in seinem Buch eines Besseren. Bei weitem nicht alle Dinosaurier waren wirklich riesig. Manche waren klein wie ein Spatz. Und es kommt noch haarsträubender, zumindest auf den ersten Blick. Sind denn die Dinos tatsächlich alle verschwunden? Definitiv nein. Richtig ist, dass sämtliche Tiere, die man volkstümlich als Riesensaurier bezeichnet tatsächlich vor 65 Millionen Jahren ausgestorben sind. Aber längst nicht alle Tiere, die zoologisch gesehen Dinosaurier bzw. deren direkte Abkömmlinge sind. Dazu später noch mehr.

Bernhard Kegel erklärt in seinem Buch sehr detailliert und anschaulich anhand der Kriterien der biologischen Abstammung, der Anatomie der Tiere und deren Lebensweise, was denn nun ein Tier zu einem Dinosaurier macht. Für einen Laien (spricht Nicht-Biologen oder entsprechend Fachkundigen) lesen sich an dieser Stelle manche Passagen etwas kompliziert, das möchte ich nicht verschweigen. Es handelt sich aber nur um wenige Abschnitte. Der Autor versucht stets sein Bestes, aber manches lässt sich an dieser Stelle schlichtweg nicht allgemeinverständlich erklären. Es ist nun einmal nicht jeder z.B. mit dem Aufbau von Skeletten vertraut, oder dem Körperbau von Säugetieren und Vögeln.

Popstar Dino

Seit man weiß, dass es sie gab hatten die Dinosaurier auch ihren gebührenden Platz in der Kultur der Menschheit eingenommen. Dieses Kapitel liest sich sehr unterhaltsam. Es wird wohl bei jedem von uns an einigen Stellen der Aha Effekt eintreten. „Jurassic Park“ kennen wir ja fast alle. Aber schon zuvor waren Dinosaurier die Helden zahlreicher Romane (z.B. Jules Verne „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“), Sachbücher und Filme. Dinosaurierspielzeug aller Art gibt es massenhaft. Auch die Werbebranche war und ist an den Urzeittieren stets interessiert. Aber halt mal? Sind denn die Dinosaurier wirklich Urzeittiere?

Der Buchtitel ist wörtlich zu nehmen…

…denn Dinosaurier sind nicht nur als Kultobjekte unsterblich. Nein. Sie leben noch heute, mitten unter uns. Auch wenn es mancher vielleicht nicht glauben mag: die Lieblingstiere von uns allen, unsere Vögel sind Dinosaurier, zumindest direkte Abkömmlinge.

Warum diese These tatsächlich zutreffend ist beschreibt Bernhard Kegel sehr eingehend und detailliert, von verschiedenen Seiten her betrachtet. Seit mittlerweile knapp zwanzig Jahren wurden in China wiederholt gefiederte Dinosaurier gefunden. Nein, keine fliegenden gefiederten Riesenmonster, aber gefiederte Tiere, die zoologisch eindeutig den Dinosauriern zuzuordnen sind. Damit wir nun aber alle auf dem Teppich bleiben: Sicher waren längst nicht alle Dinosaurier Federvieh!

Kurzlebige Erkenntnisse

Last but not least möchte ich noch eins sage, was auch Bernhard Kegel im Laufe des Buches mehrmals erwähnt: Die Erkenntnisse der Paläontologie sind oftmals nur von kurzer Dauer und werden durch neue Funde von Knochen, Skeletten und Fossilien schnell widerlegt. So z.B. hat man vor einiger Zeit die Körperhaltung einiger Dinosaurierarten revidiert. Der allseits bekannte Tyrannosaurus Rex lief zwar zweibeinig, hielt seinen Körper dabei aber in Parallelhaltung zum Boden. Auch der Iguanodon war nach heutigem Verständnis kein Kängurudrache, sondern bewegte sich mehr oder weniger auf allen vier Gliedmaßen durch die Welt.

„Ausgetorben um zu leben“ liefert eine große Fülle spannender Informationen. Der Schreibstil ist sehr verständlich, lediglich einige wenige Passagen lesen sich aufgrund der speziellen Thematik etwas schwerer. Das Buch wendet sich vornehmlich an Erwachsene. Sicher aber ist es gleichfalls interessant für bestimmte jüngere Leute. Etwa diejenigen, die sich länger intensiv mit Themen wie z.B. Fossilien beschäftigen. Oder Lesern von „GEO“ oder „National Geographic“, oder anderweitiger guter Sachliteratur, die sich in diesem Rahmen auch schon mit der Dinosaurierthematik beschäftigt haben.

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