Der alte Nordfriedhof in München - 24notes
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Der alte Nordfriedhof in München

Der alte nördliche Friedhof in München – romantisch und ein wenig unheimlich zugleich. In der kalten Jahreszeit wirken manche Ecken wie eine Filmkulisse aus einem alten Horrorklassiker. Im Sommer versammeln sich hier die Sonnen- und Picknickanbeter. Früher gab es hier Bestattungen – doch heute versuchen die Jogger mit ihrem Training, Gevatter Tod von der Schippe zu bleiben. Liegewiese, Parkanlage, vielleicht auch ein Ort zum Meditieren – und noch einiges mehr, das ist der Nordfriedhof heute. Außerdem ein Naturschutzgebiet mitten in München.

Der Nordfriedhof – ein wenig Geschichte.

Der Alte Nordfriedhof in München Maxvorstadt stammte ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert. Viele Künstler, Gelehrte, Schriftsteller aber auch erfolgreiche Industrielle fanden dort von 1868 bis 1939 ihre letzte Ruhestätte. Für das Ende der Beisetzungen sorgten die Planer von Adolf Hitlers „Hauptstadt der Bewegung“, denen der Friedhof für ihre mitunter wahnwitzigen Planungen im Wege stand. Und letztlich auch die Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg. Seit 1945 wurde hier definitiv nicht mehr bestattet; die sehr geschmackvollen Kreuze und Grabsteine zeugen jedoch weiter von der Vergangenheit des Ortes. Ebenso die Friedhofslichter, die man als Besucher an einzelnen Gräbern auch heute noch sehen kann.

Naturschutzgebiet und Naherholungsraum.

Das Areal ist inzwischen ganz offiziell ein Naturschutzgebiet mitten in der Stadt. Es wird von der Bevölkerung als eine Art Parkanlage genutzt – unter Beachtung der gebotenen Pietät; laute Grillfeste und Alkoholexzesse sind hier ein No-Go – dafür geht man besser an die Isar.

Die Nutzung als Liegewiese geht aber auf jeden Fall. Oder für Spaziergänge, auch der romantischen Art, bei denen geküsst wird. Parkbänke laden zum Verweilen ein, verführen dazu, sich von der Sonne die Nase kitzeln zu lassen, oder einfach mal wieder ein Buch zu lesen.

Entlang der Friedhofsmauer – eine legendäre Läuferrunde.

Beliebt ist der Friedhof auch bei Joggern, besonders der Weg an der Innenseite der Friedhofsmauer entlang. Diese bei Läufern mittlerweile legendäre Runde ist etwa 750 m lang, also länger als eine Runde auf dem Sportplatz. Ein Tipp allerdings aus eigener Erfahrung: Wer hier joggt, sollte sich insbesondere während der Abendstunden eine Sonnenbrille aufsetzen. Die Mücken in diesem Naturschutzgebiet sind eine Plage.

Ein Ort zum Entdecken.

Während des gesamten Jahres, besonders aber im Herbst und im Winter ist der Friedhof eine sehr schöne Location zum Fotografieren. Die Sonnenanbeter sind jetzt vom Friedhof verschwunden und der Ort zeigt sich von seiner grau-morbiden Seite. Der graue Himmel, im Zusammenspiel mit den kahlen Bäumen und den uralten, teilweise verwitterten und efeuüberwucherten Grabsteinen lässt in einem unweigerlich ein graues Gefühl aufkommen. Vielleicht auch etwas Beklemmung. Die Lokalität ist ein sicherer Ort – erinnert aber tatsächlich ein wenig an das CD-Cover von Mozarts Requiem – oder an einen Drehort für eine Neuverfilmung eines Gruselklassikers frei nach Edgar Allen Poe.

Man kann also das graue Gefühl hier mit einem meditativen, fotografischen Rundgang recht konstruktiv und positiv ausleben. Vorausgesetzt man nimmt sich Zeit. Auch um die Bilder danach zu Hause anzuschauen – vielleicht mit ein wenig passender Musik aus dem Requiem Mozarts, Mike Oldfields »Tubular Bells« … oder wie wäre es mal wieder mit Leonard Cohen?

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