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Saul Leiter Retrospektive

Fotoausstellung im Kulturfoyer der Versicherungskammer Bayern

Saul Leiter Retrospektive

Das Kunstfoyer der Versicherungskammer ist sicher eine der Münchner Top-Adressen für alle, die sich für künstlerische Fotografie interessieren. Seit 5.Juli 2019 nunmehr ist dort eine Retrospektive des amerikanischen Künstlers Saul Leiter zu sehen. Zu tun haben wir es mit einem Maler und Fotografen, in beiden Disziplinen einem Autodidakten, vor allem aber einem Pionier auf dem Gebiet der Farbfotografie. Bereits in den 50er Jahren begann er damit, zu einer Zeit als farbige Fotos für Künstler quasi ein No Go waren. Längst bevor ein William Eggleston sie im Rahmen der künstlerischen Fotografie systematisch einsetzte und „offiziell“ salonfähig machte.

Saul Leiter ist zwar kein völlig unbekannter, aber doch ein bisher relativ vernachlässigter Künstler. Vielleicht gerade auch deswegen, weil er selbst sehr zurückhaltend war. In der Ausstellung ist auch ein Film zu sehen, der Einblicke in das Leben und das Zuhause dieses Künstlers gibt.

„Low budget“ Fotografie – aber billig? Von wegen!

Saul Leiter lebte in New York unter schwierigen finanziellen Verhältnissen. Daher musste er sich auch mit einfachen Arbeitsmitteln und billigem Material begnügen, vor allem in seinen früheren Jahren. Den Umgang damit beherrschte er indessen perfekt. Allem voran hatte er die Begabung, in der von optischen Reizen überfluteten Stadt New York Motive zu finden. Dafür brauchte er keine großen Reisen: seine Fotos entstanden zumeist in New York, ein großer Teil in der unmittelbaren Umgebung, dort wo er wohnte. Wenn man sich die Bilder der Ausstellung anschaut, dann wird abermals deutlich: das wichtigste Arbeitsmittel eines Fotografen ist ein gutes Auge. Ein solches hatte er und Fotomotive fand er in New York auch mehr als genug.

Street

Viele seiner Fotos würde man heute wohl am ehesten in die Kategorie Street einordnen. Kein Voyeurismus, dafür feinste Poesie, oftmals gemäldehaft anmutend. Bei vielen seiner Fotografien kann man leicht nachvollziehen, dass wir hier einen Künstler vor uns haben, der auch mit Malerei einiges zu tun gehabt hat. Reich an Stilmitteln, die auch heute noch bei Street Fotografie eine Rolle spielen: Schatten, Spiegelungen, Lichtreflexionen, Unschärfe, abstrakte und minimalistische Elemente, um nur einige Beispiele zu nennen. Nichts wirklich vorhergeplant, alles spontan, so wie es sich bei Street auch gehört.

Der Modefotograf

Wie viele andere große Fotografen kam auch Saul Leiter um die Modefotografie nicht herum. Allerdings finden wir hier de facto keine Laufstegfotografie, sondern Modefotografie im mehr oder weniger typischen Stil des Fotografen. Er prägte dabei die Modefotografien des Magazins „Harper’s Bazaar“. Anstatt Magermodels und Strichfiguren sehen wir hier eher modische farbfrohe Kleider, in denen sich die Models in ihrer natürlichen Umwelt zeigen.

Die Gemälde des Künstlers

…sind vielleicht am ehesten dem abstrakten Expressionismus zuzurechnen. Saul Leiter hatte zu Künstlern wie etwa de Kooning Kontakt. Auch setzte er seine malerischen Fertigkeiten später ein, um einen Teil seiner Aktfotografien partiell zu übermalen. Einige dieser Arbeiten werden auch in der Ausstellung gezeigt.

Die Ausstellung

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 15.9.2019. Ein Besuch lohnt sich praktisch für jeden, der sich für Fotografie begeistert, vom Magnum Anhänger bis hin zum abgefahrenen Fotokünstler. Anderthalb Stunden sollte man sich Zeit nehmen, insbesondere sollte man sich den kleinen Film, in dem der Künstler in seinem Atelier selbst zu Wort kommt, nicht entgehen lassen. Ich selbst habe auch an einer öffentlichen Führung teilgenommen. War recht spannend. Diese sind kostenlos, die Termine entnehme man der Website der Versicherungskammer Kulturstiftung.

Anregungen für Street Fotografen

Vor allem wer an Street Fotografie interessiert ist, der wird in der Ausstellung interessante Anregungen finden. Nicht alles was dort zu sehen ist findet man ohne weiteres auf den Fotoplattformen im Internet.

Ausstellungskatalog

Besonders lohnend ist auch der Ausstellungskatalog. Hier findet man nicht nur die Fotos der Ausstellung, sondern auch eine Reihe von Essays. In einer sehr edlen Aufmachung im Schuber. Ich habe ihn mir durchgesehen, ich werde mir ihn als großer Fotobegeisterter und vor allem aktiver Street Künstler wohl demnächst zulegen. Er ist mit knapp 50 Euro nicht ganz billig: ich erlaube mir hier aber definitiv das Urteil: er ist sein Geld wert.

Website

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