Schrille Nacht, eisige Nacht - 24notes
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Schrille Nacht, eisige Nacht

Schrille Nacht, eisige Nacht

Seit zwei Jahrhunderten gibt es nun das bekannteste aller Weihnachtslieder „Stille Nacht, heilige Nacht“. Ein weltweiter Dauerbrenner, unzählige Versionen, ich kann und will sie hier nicht aufzuzählen. Wenn ich mir den Text aber ansehe, dann stehen mir die Haare zu Berge. „Schrille Nacht, eisige Nacht“…das würde in der heutigen Zeit der Wirklichkeit eher gerecht werden. Ja, eisig trotz Klimawandel – nie war der Konsumterror so beinhart wie heute…

Die Zeit will es so: bald ist wieder Weihnachten. Und jetzt davor haben wir die sogenannte „Stade Zeit“. Lächerlich diese Bezeichnung finde ich, denn zu keiner anderen Zeit im Jahr wird so viel herumgehastet und Stress gemacht. Zu keiner anderen Zeit im Jahr nimmt der Konsumterror noch widerlichere Ausmaße an. Über die Vorboten in unseren Supermärkten so ab Ende September/Anfang Oktober in Gestalt von Lebkuchenherzen, Schokoladen-Nikoläusen und ähnlichem Kram, da kann ich ja noch irgendwie lachen. Vor allem, wenn ich mir vorstelle, dass am Ende noch auf dem Oktoberfest zu der Mass Bier vielleicht Lebkuchen gegessen werden…

…was ich aber nicht mehr lustig finde…

…ist das was wir Jahr für Jahr in der sog. Vorweihnachtszeit bzw. Adventszeit erleben müssen. Die Münchener Fußgängerzone ist ja ein beliebtes Shopping Pflaster, aber am widerlichsten ist die Hektik an den Samstagen vor Weihnachten. Von Einkaufen kann man oftmals gar nicht mehr sprechen, was abläuft ist ein pausenloses Drängeln und Herumschubsen. In einer völlig mit Weihnachtsdekoration und -glitzer überladenen Stadt. Es kann einen regelrecht erschlagen. Schon lange kaufe ich das allermeiste an Weihnachtsgeschenken in den kleinen Läden im Viertel ein.

Ich bin froh darüber, dass ich im Dezember nicht im Einzelhandel arbeiten muss. Vor allem in keinem Kaufhaus. Oder auf einem der vielen Weihnachtsmärkte. Nicht nur wegen der vielen nervigen Kunden. Das ultimativ nervigste ist diese Playlist von so etwa fünfzehn oder zwanzig Weihnachtsliedern, akustische Berieselung im Dauerloop. Offenbar will man damit die Kunden für das Weihnachtsgeschäft konditionieren. Ich kann es beim besten Willen nicht verstehen. Die meisten unserer gängigen deutschen Weihnachtslieder sind doch ohnegleichen abgedroschen. Schon Ende November kann man ihnen nicht mehr entgehen. Auch der Weihnachtspop ist jedes Jahr immer wieder der gleiche. Alle Jahre wieder dröhnt aus den Lautsprechern auf dem Weihnachtsmarkt Mariah Careys Hit „All I want for Christmas“. Oder „Stop the cavalery von Jona Lewie“, offenbar hört hier niemand auf den Text und kapiert, dass der Song doch alles andere als ein Weihnachtslied ist. Anscheinend können die Händler damit immer noch zum ultimativen Konsumterror trommeln. Der Umsatz des Weihnachtsgeschäfts ist uns allen heilig, schon lange definitiv heiliger als das Christkind. Man hofft noch darauf, aber immer mehr potentielle Kunden gehen nur zum Begutachten ins Geschäft – und bestellen von zuhause aus die Geschenke im Internet.

…online bestellt ein paar Euro gespart

Macht ja nichts, wenn man samstags sich deswegen in den Autostau stellt, um in die Stadt zu kommen. Schließlich hat man sich am Tag davor bei „Fridays for Future“ politisch korrekt gezeigt, da kann man ruhig mit dem Auto noch ein bisschen Kohlendioxid auspusten. Die ganzen Warenkuriere müssen wohl so oder so fahren, vor der Deadline 24.Dezember das Maximum ausliefern. Ständig selbstständig, als Subsubsubsusbsubunternehmer. Schließlich ist er dann da der ersehnte Heiligabend…man meint jetzt geht es gemütlich weiter. Pustekuchen!

Alle Jahre wieder…

kommt es dann am 24.Dezember endlich, das Christuskind. Und erstickt schon fast unter den immer noch riesigeren Geschenkebergen an Heiligabend. Oder alternativ kommt auch bei manchen der Weihnachtsmann, aber auch der muss aufpassen, dass er nicht bei jedem zweiten Schritt stolpert.

In manchen Familien werden immerhin noch zwei oder drei Weihnachtslieder gesungen, man höre und staune, fast so perfekt wie unter der Dusche. Aber dann wird ganz schnell zum Sturm auf den Gabentisch geblasen, und nicht nur die Kinder fallen dann über den Berg von Geschenken her wie die Raubtiere. Der Mülleimer geht allein schon vom Geschenkpapier und den vielen Verpackungen nicht mehr richtig zu…über das weitere möchte ich nicht mehr schreiben, jeder weiß was über die Tage sonst noch alles kommt.

Die Bildserie…

Eine kleine Bildserie und ein Hauch von Dekadenz muss hier reichen. Fotografieren ist in dieser vorweihnachtlichen Hektik kaum möglich, und wenn, dann wäre ich nach spätestens einer halben Stunde erledigt. Zwar gibt es hier auch Events vor Weihnachten, die ich persönlich gut finde und nicht missen möchte (so den Schwabinger Weihnachtsmarkt oder auch das Wintertollwood), leider aber sind auch diese Lokalitäten vor allem an den Wochenenden völlig überrannt.

Nachtrag

An dieser Stelle möchte ich noch auf eine Sache aufmerksam machen: das völlig ausgeuferte Weihnachtsgeschäft darf nicht dazu führen, dass es weitere verkaufsoffene Sonntage gibt. Der Sonntagsschutz im Grundgesetz darf weder dem Konkurrenzdruck der Online Händler noch dem Konsumterror vor Weihnachten geopfert werden. Ein Minimum an Arbeitsschutz für die Angestellten des Einzelhandels ist meiner Ansicht nach ein Ausdruck der Menschenwürde – und die ist gleich im ersten Artikel unserer Grundgesetzes jedem von uns unantastbar garantiert.

ALLEN UNSEREN LESERN WÜNSCHEN WIR FROHE WEIHNACHTEN UND EIN GUTES NEUES JAHR 2020

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1 Comment
  • Bernd
    Posted at 19:03h, 22 Dezember Antworten

    Hatte heuer auch vor die weihnachtliche Stimmung, die sich in der Stadt ausgebreitet hat, fotografisch festzuhalten. Da mein Schwerpunkt aber eher die minimalistische Fotografie ist bzw. urban still-lifes festzuhalten, zog ich dann erfolglos von dannen. War mir auch zu viel los. Vielleicht ein neuer Versuch in den Tagen nach Weihnachten, wenn die Adventmärkte ihre Tore wieder geschlossen haben… Frohe, besinnliche Weihnachten und die kann man sich ja GottseiDank noch selbst gestalten.

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