Phantastisch - Alfred Kubin und der Blaue Reiter - 24notes
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Phantastisch – Alfred Kubin und der Blaue Reiter

Ausstellung im Lenbachhaus München

Phantastisch – Alfred Kubin und der Blaue Reiter

Der Blaue Reiter, das waren nicht nur Wassily Kandinsky, Franz Marc und Gabriele Münter. Da gab es noch eine ganze Reihe illustrer Persönlichkeiten, und auch Alfred Kubin, dem das Lenbachhaus derzeit eine Sonderausstellung widmet, gehörte dazu. In dieser Schau mit dem Titel „Phantastisch! – Alfred Kubin und der Blaue Reiter“ wird derzeit jenem Verhältnis dieses österreichischen Künstlers zum „Blauen Reiter“ nachgegangen.

Im Lenbachhaus habe ich die Kunst Alfred Kubins bislang eher rudimentär wahrgenommen. Trotzdem war er für mich kein bis dato Unbekannter. Begegnet bin ich seiner Kunst insbesondere vor mehreren Jahren im Leopold Museum in Wien in der Ausstellung „Edvard Munch und das Unheimliche“. Unheimlich ist ein sehr passender Begriff, um viele der Zeichnungen Kubins zu beschreiben. Als Zeichner mit Tusche, Feder etc., und nicht als Maler hatte der Künstler auch hauptsächlich Erfolg. In anderen Disziplinen wie z.B. Gouache blieb er eher eine Randerscheinung.

Von den Abgründen einer Seele bis hin zu Todesangst

Die technisch exzellenten Tusche- und Federzeichnungen Alfred Kubins sind alles andere als leichte Kost. Der Künstler lässt dabei in die Tiefe seiner durch zahlreiche Schicksalsschläge und Niederlagen mitgenommenen Seele hineinblicken. Die Bilder machen Alpträume und Zwischenwelten sichtbar – von sexuellen Fantasien bis hin zur Angst vor Tod und Verderben. Ich kann mir recht gut vorstellen, dass da auch heute noch der eine oder andere Psychologe, der diese Darstellungen interpretieren möchte sich seine Zähne ausbeißt. Die Zeichnungen entstanden zu einer Zeit, als die Psychoanalyse von Sigmund Freud gerade aus der Taufe gehoben wurde. Also auch bei Künstlern oder Intellektuellen noch nicht zum standardisierten Wissensschatz gehörte.

…nichts für zarte Gemüter

Nicht nur Kinder, sondern alle empfindsamen Gemüter möchte in an dieser Stelle warnen: die Darstellungen in den Zeichnungen sind oft drastisch und können mitunter auch verstörend wirken. Den Hinweis darauf am Eingang der Ausstellung halte ich für berechtigt. So brutal allerdings die Darstellungen auch sind: sie behalten ihre Ästhetik und fallen nie in den Abgrund der Perversion, und schon gar nicht der Pornografie.

Die Wiege des Erfolgs

Beim Gang durch die Ausstellung fragte ich mich allerdings schon mehrmals: wie kam nun dieser Zeichner ausgerechnet zur Gruppe des „Blauen Reiters“? Stilistisch sehe ich wenige Gemeinsamkeiten, allenfalls noch bei den Gouache Bildern, die Kubin aber nur bescheidenen Erfolg einbrachten.

Die Verbundenheit Alfred Kubins mit München und dem „Blauen Reiter“ sowie auch den vorausgegangen Künstlervereinigungen ist jedoch durchaus nachvollziehbar. Auch wenn Kubin, wie zuvor schon andernorts, hier seine Ausbildung wieder abgebrochen hat, er hatte es gerade in München geschafft, fruchtbare Beziehungen zu Künstlerkollegen sowie Förderern aufzubauen. Nach all meinem Wissen kann man daher behaupten, dass hier in München die Wiege von Alfred Kubins Erfolg als Zeichner liegt. Er erntete hier gleich bei mehreren Ausstellungen über mehrere Jahre hinweg Erfolg, so bereits 1904 bei einer Ausstellung der Künstlervereinigung „Phalanx“, Jahre später dann bei der N.KV.M und beim „Blauen Reiter“

Kubin und der Blaue Reiter

Zwischen ihm und den anderen Gruppenmitgliedern entstand eine rege Korrespondenz und auch so etwas wie eine innere Verbundenheit. So wie etwa bei Wassily Kandinsky oder Franz Marc so spielte auch bei ihm das „Geistige“ in der Kunst eine wesentliche Rolle. Auch wenn die Umsetzung dann höchst unterschiedlich ausgefallen war. Dazu sind in der Ausstellung auch mehrere Stücke Briefkorrespondenz zwischen Kubin und Kandinsky, Klee etc. zu sehen. Ebenso werden natürlich auch Bilder der Mitglieder des Blauen Reiters denen von Alfred Kubin gegenüber gestellt. Es entsteht ein guter Eindruck, was die Künstler denn miteinander verband.

Der Buchillustrator

Auch wenn hier in München definitiv die Wiege von Alfred Kubins Erfolg steht, verlagerte sich sein Lebensmittelpunkt aufs Land: genauer gesagt ins oberösterreichische Zwickledt. Dort hat er sich u.a. auch eine riesige Bibliothek zusammengetragen, die ebenfalls recht tief in seine Psyche blicken lässt. Nach meinem ersten Besuch der Ausstellung verwunderte es mich kaum, dass er sich ganz schwerpunktmäßig mit „phantastischer Literatur“ beschäftigt hat, sprich mit so berühmten Genreautoren wie Edgar Allen Poe, H.G. Wells oder auch Franz Kafka. Mit dem Lesen der Bücher war es für ihn auch nicht getan. Fortan trat er dann als äußerst erfolgreicher Buchillustrator in Erscheinung. Die Betagteren unter uns erinnern sich noch: Buchillustrationen waren früher gang und gäbe.

Und der Autor

Auch als Autor ist Alfred Kubin in Erscheinung getreten. Bereits 1909 verfasste er den phantastischen Roman „Die andere Seite“, den er auch mit seinen eigenen Illustrationen ausschmückte. Auch diese Zeichnungen finden wir in der derzeitigen Ausstellung.

Fazit

Wir haben hier eher schwere Kost vor uns. Trotzdem: der Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Zeit dafür ist noch bis 17.Februar 2019. So etwa anderthalb Stunden Zeit sollte man mitbringen. Ideal wäre ein halber Tag: auch die anderen temporären Ausstellungen und natürlich die Bilder der Mitglieder des Blauen Reiters lohnen immer wieder einen Besuch.

Hier findet ihr nähere Informationen zur Ausstellung

und praktische Hinweise

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