René Freund "Ans Meer" - 24notes
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Buchtipp

René Freund „Ans Meer“

René Freund „Ans Meer“

„Ans Meer“ von René Freund, erschienen 2018 im Deutike Verlag Wien

Der berühmt-berüchtigte erste Eindruck – ja, manchmal täuscht er auch. Beim Blick auf den Titel und auf das Cover denken garantiert viele an eine passende Lektüre für den Sommerurlaub. Aber getreu dem Motto im Englischen: „Don’t judge a book by its cover“, stelle ich dieses Buch ganz absichtlich jetzt schon vor.

Keine Urlaubslektüre mit Sommerstimmung

In diesem Roman geht es zwar um eine Reise, aber hinten und vorne nicht um Urlaub. Auch wenn der Autor ordentlich Humor mit ins Spiel bringt geht es in dem Roman letztlich um ein ernstes Thema, nämlich um das Thema Mut zur Selbstbestimmtheit. In ganz verschiedenen Lebenslagen.  Es liest sich zwar leicht wie ein Unterhaltungsroman, jedoch blickt der Autor stets ausführlich hinter die Fassade der Protagonisten.

Die „Entführung“ eines klapprigen Linienbusses…

…ist die Rahmenhandlung. Der „Entführer“ ist der Busfahrer Anton, und der verliebt sich in seine Nachbarin Doris. Diese Dame liebt es, wenn sich jemand etwas zutraut. Die „Entführten“ sind ein Grüppchen aus höchst unterschiedlichen Charakteren. Da ist die krebskranke und todgeweihte Carla, die den sehnlichsten Wunsch hegt, vor ihrem Tod nochmals in ihre ursprüngliche Heimat an der italienischen Adriaküste zu fahren. Anton will ihr diesen Gefallen tun. Dazu nimmt er mit seinem Linienbus kurzerhand Reißaus. Mit dabei sind Carlas Tochter, die die kranke Mutter beschützt samt ihrer Schulfreundin und deren großen Bruder. Plus zwei weitere Personen…und ein Kaninchen. Fürs erste gelingt diese „Flucht“.

Mutproben…

…beschreibt der Autor gleich mehrere: bei Busfahrer Anton geht es um den Mut, als Endvierziger endlich erwachsen zu werden. Die Schulkinder im Bus wollen den Mut aufbringen, sich auf ein Abenteuer einzulassen und sich gleichzeitig vor einer Klassenarbeit zu drücken. Und die schwer krebskranke Carla will sich kurz vor ihrem Tod der geplanten, aber wenig erfolgversprechenden Chemotherapie entziehen. Und wie bereits erwähnt vor ihrem Tod nochmals an den Ort ihrer Kindheit, ans Meer zurückreisen.

Mut kann seinen Preis haben…

…das müssen einige der Protagonisten am Ende der Geschichte erfahren. Keiner von ihnen geht zwar am Ende als Verlierer hervor, ungeschoren davon kommen aber nicht alle. So der Busfahrer Anton…und auch die krebskranke Carla – sprich sie stirbt alsbald. Ob eine weitere Chemotherapie ihr hätte helfen können, daran zweifle ich allerdings schwer. Mehr Lebenszeit ohne Lebensqualität – eine Sache die zu Recht umstritten ist.

Das Buch…

… ist kein Meisterwerk der Weltliteratur. Aber mehr als eine bloße Bett- oder Urlaubslektüre. Ich dachte beim Lesen immer wieder an einen der vielen überdrehten Roadmovies, wie etwa einige der Filme von Til Schweiger.

Das Buch ist insgesamt zwar unterhaltend und liest sich leicht, ist aber auch durchaus hintergründig. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Mut“. Und ein Loblied auf das Leben. Zum Nachahmen empfiehlt sich eine solche „Entführung“ eines Linienbusses allerdings nicht. So etwas kann in der Realität durchaus für ein paar Jährchen hinter Gittern enden, gerade auch dann, wenn wie im Buch Minderjährige mit im Spiel sind.

Zusammengefasst: „Ans Meer“ ist eine kleine, aber intelligente Lektüre für ein Wochenende.

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