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Die schwarze Liste – von Arnold Dreyblatt

Fotoreportage

Die schwarze Liste – von Arnold Dreyblatt

Auf dem Münchner Königsplatz gibt es jetzt ein Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennungen im Mai 1933, „Die schwarze Liste“ des Media Künstlers Arnold Dreyblatt…

…das Werk und der Künstler

Seit kurzem nun gibt es auch in München ein Denkmal, das an die am 10. Mai 1933 dort am Königsplatz abgehaltene Bücherverbrennung im Rahmen der „Aktion wider des undeutschen Geist“ erinnern soll. Dabei handelt es sich um ein in den Boden eingelassenes scheibenförmiges Denkmal, an dessen Oberseite die Namen damals verbrannter Schriften in Spiralform eingraviert sind. Der Titel des Denkmals lautet „Die schwarze Liste“ geschaffen von Arnold Dreyblatt, einem 1953 in den USA geborenen und in Berlin lebenden Media Künstler. Während seiner extrem vielseitigen künstlerischen Tätigkeit – von Media Kunst, Performance bis hin zu Komposition, beschäftigte er sich häufig mit Themen der jüngeren deutschen Geschichte, insbesondere auch dem Nationalsozialismus!

…kurz nach der Machtergreifung im Januar 1933

Bereits kurz nach Hitlers Machtergreifung wurde die Staatsordnung im Reich auf den Kopf gestellt, über die Notstandsvorschriften der Weimarer Verfassung. Von nun an galt die Weltanschauung der Nationalsozialisten in allen Lebensbereichen, daneben hatte nichts anderes mehr Platz. Was deren Weltbild, angefangen vom Militarismus, bis hin zu Rassenideologie und Antisemitismus, nicht entsprach, das wurde rücksichtslos bekämpft. Auch die Studentenschaft und deren Verbindungen wurden gleichgeschaltet. Vor allem die Studentenschaft war es dann auch, die sich um „undeutsche Literatur“ kümmerte um diese zu brandmarken. Die Studenten durchwühlten ihre privaten Buchbestände nach diesen Werken, im Anschluss daran wurden Bibliotheken und Buchhandlungen durchforstet. Als symbolischer Höhepunkt erfolgten dann im Mai 1933 in den Universitätsstädten im gesamten Reich Bücherverbrennung, teilweise im Rahmen von Festakten.

Literatur auf dem Scheiterhaufen

Bücherverbrennungen waren keine Erfindung der Nazis, es hatte sie im Lauf der Geschichte zuvor schon wiederholt gegeben. Je nachdem wer von den großen Religionsgemeinschaften im Mittelalter und der frühen Neuzeit die Oberhand gewann verbrannte die Heiligen Schriften des Besiegten.  Während der Französischen Revolution taten es 1794 die radikalen Jakobiner nicht besser, indem sie christliche Schriften dem Feuer übergaben. Auch in Deutschland hatte es solche Diffamierungsakte bereits zuvor gegeben, etwa während des Wartburgfests 1817 – schon damals brannten Schriften, die nicht dem reinen deutschen Geist entsprachen. Wenn ein Werk der reinen Lehre widersprach, dann landete es auf dem Scheiterhaufen.

…welche Bücher betraf es 1933?

Literatur jedweder Gattung, Belletristik genauso wie Sachliteratur, Bücher jüdischer Autoren oder Werke politisch unliebsamer Autoren, gleich aus welchem Grund. Alles was nicht im Einklang mit der nationalsozialistischen Weltanschauung stand. Das konnten Verfasser aus dem politisch linken Spektrum sein, oder aber auch z.B. jedwedes antimilitaristische oder pazifistische Gedankengut! Titel von Werken jedweder Gattung sind es, die auf Arnold Dreyblatts Bodenscheibe spiralförmig eingraviert sind. Auffällig häufig darunter finden sich politische Schriften, aber auch Werke über Kunst und Kultur und Belletristik, darunter etwa „Der brave Soldat Schweijk“ von Jaroslav Hasek. Die Spirale soll hier den sich verflüchtigenden Rauch symbolisieren

„Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“, so ein Zitat von Heinrich Heine. Der weitere Verlauf der Geschichte zeigte, dass er damit Recht behalten sollte.

…die Feuer in München…

…loderten gleich zweimal. Einmal bereits am 6.Mai organisiert durch die Hitlerjugend HJ, und insbesondere dann am 10.Mai 1933 von der Studentenschaft. Die Aktion in München wurde dabei zu einem nationalsozialistischen Festakt, der als eine Art Weihestunde mit Gesang und Musik inszeniert wurde. Leider wurde dieses Zeremoniell auch im Rundfunk übertragen.

Der schändliche Akt war nur der Auftakt zu weiteren Repressalien gegenüber den nicht mit der Ideologie konformen Autoren, Künstlern, Wissenschaftlern, Kulturschaffenden. Viele davon setzten sich bereits 1933 ins Ausland ab. Diffamierungsaktionen gab es im Lauf der Zeit zahlreiche weitere, u.a. auch gegen bildende Künstler und gegen Musiker.

Erinnerungskultur in München

Als ehemalige „Hauptstadt der Bewegung“ tat man sich in München nicht immer leicht mit der Vergangenheitsbewältigung! Dass dies aber dennoch geht haben die letzten zwanzig bis dreißig Jahre gezeigt: man wurde aktiv…und die Stadt hat sich über die Jahre hinweg bewegt…, dass dem Grauen von damals jetzt gedacht wird!

Die Erinnerungsstätte ist auffällig und gleichzeitig unauffällig. Wer von der Stufen der Antikensammlung herunterschaut, dem fällt die auf den ersten Blick seltsam anmutenden Scheibe auf…und er macht sich vielleicht im Anschluss auch daran das Denkmal zu erkunden. Die Masse der München Besucher, die nur kurz über den Königsplatz gehen dürften sie wohl in den allermeisten Fällen übersehen. Vielleicht ist dies aber auch gut so: mit dem Thema muss man sich näher auseinandersetzen…sicher haben wir hier keine Sache, die man schnell im Vorbeigehen konsumieren kann, das würde auch keinen Sinn machen.

Fazit

Was soll uns ein solches Mahnmal und eine derartige Erinnerungskultur mitgeben? Fast achtzig Jahre danach? Der Holocaust Überlebende Max Mannheimer bringt es mit seiner berühmten Äußerung auf den Punkt. „Ihr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht.“ Eine weitere interessante Annäherung zu dieser Problematik machte auch Erich Kästner, der, hier nebenbei angemerkt, in Berlin bei der Bücherverbrennung selbst miterleben musste, wie seine eignen Bücher verbrannt wurden. Er äußerte sich einmal dahingehend: „Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird…bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat.“

Das Element Feuer ist schneller. Es verbreitet sich rasch. Trifft ein Funke auf empfängliches Material, dann fängt dieses Feuer. Schnell kann ein Großbrand entstehen. Und was noch viel schlimmer ist:  Der Hass der virtuellen Welt verbreitet sich als Feuerwalze viel schneller als zu früheren Zeiten ein Lauffeuer.

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